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YuSMP Group Redaktion YuSMP Group · Softwareentwicklung, Sicherheitsaudits und IoT-Engineering für B2B-Unternehmen in DACH und den USA
Nächtlicher Supermarktgang mit beschlagenen Kühlregalen voller Lebensmittel, an der Wand eine Steuerungsbox der Kühlanlage mit rot leuchtender Warnanzeige

Die kurze Antwort

Angreifer haben in mehreren deutschen Supermärkten die Steuerung der Kühlanlagen übernommen und die Temperatur so weit erhöht, dass große Mengen Lebensmittel entsorgt werden mussten. Bekannt sind Fälle in Reisbach (Niederbayern), Raesfeld im Münsterland, Wuppertal, Wetter an der Ruhr und Lilienthal bei Bremen. Europaweit sollen nach Medienberichten Hunderte Märkte in mindestens elf Ländern betroffen sein. Wer die Täter sind, ist unbekannt.

Die Ursache ist kein exotischer Exploit, sondern vernetzte Anlagentechnik, die direkt aus dem Internet erreichbar ist. Genau solche Schwachstellen findet ein externes Sicherheitsaudit mit Penetrationstest meist innerhalb weniger Tage. Für Händler und Anbieter von Software und Technik für den Einzelhandel ist jetzt der Moment, Fernzugänge zu Kühl-, Gebäude- und Kassentechnik zu inventarisieren.

Was ist in den deutschen Supermärkten passiert?

Als erster deutscher Fall wurde ein Edeka-Markt in Reisbach im Landkreis Dingolfing-Landau bekannt. Der Betreiber teilte auf Facebook mit, die Kühlanlagen seien in der Nacht auf bis zu 50 °C aufgeheizt worden, „Unmengen an Lebensmitteln“ hätten entsorgt werden müssen. Die Anlagen wurden vom Internet getrennt und sollen es bleiben, bis alle Sicherheitsfragen geklärt sind. Das Polizeipräsidium Niederbayern ermittelt, wie heise online berichtet.

Kurz darauf meldeten WDR und ZDFheute weitere Fälle in Nordrhein-Westfalen: einen Rewe-Markt in Raesfeld im Münsterland sowie Märkte in Wuppertal und in Wetter an der Ruhr. In Lilienthal bei Bremen stieg die Temperatur in den Kühlmöbeln eines inhabergeführten Supermarkts laut ZDFheute auf rund 30 °C. Das Muster ist überall gleich: Die Täter verändern die Sollwerte nachts, wenn niemand im Laden ist, und die Ware ist am Morgen verdorben.

Wie groß ist die Angriffswelle?

Begonnen hatte es Mitte Oktober in Frankreich, wo die Kühlregale mehrerer hundert Filialen manipuliert wurden – unseren Hintergrund dazu finden Sie im Beitrag Cyberangriff auf Supermarkt-Kühlung: Lehren für DACH. Am ersten Novemberwochenende folgten zeitgleich Fälle in weiteren Ländern.

PunktStand am 5. November 2026
Deutsche FälleReisbach, Raesfeld, Wuppertal, Wetter (Ruhr), Lilienthal
Betroffene Ketten in DEunter anderem Edeka und Rewe
Weitere Länderu. a. Frankreich, Belgien, Luxemburg, Schweden, Italien, Niederlande, Finnland, Estland, Irland, Portugal
SchadensbildKühlmöbel auf 30 bis 50 °C aufgeheizt, Ware unbrauchbar
Täterunbekannt
ErmittlungenPolizei in den Ländern, auf EU-Ebene Europol und ENISA eingebunden

EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach nach Angaben von t-online von einem gezielten Versuch, die Lebensmittelversorgung zu stören und das Vertrauen der Verbraucher zu untergraben. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger forderte laut ZDFheute, alle Unternehmen müssten stärker vorsorgen.

Was rät das BSI?

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hatte schon nach den französischen Fällen im Oktober vor aus dem Internet erreichbaren Steuerungen gewarnt. Die Kernbotschaft ist bewusst einfach: „Der wichtigste und zugleich einfachste Schutz ist es, die Anlagen vom Internet zu trennen.“ Wo Techniker oder Dienstleister aus der Ferne zugreifen müssen, soll das nur über ein VPN mit Mehr-Faktor-Authentisierung geschehen, und erreichbare Steuerungen sind nach dem Stand der Technik abzusichern.

Für Marktbetreiber heißt das konkret:

  1. Erreichbarkeit prüfen. Ist die Web-Oberfläche der Kühlsteuerung, der Gebäudeleittechnik oder des Energiemanagements direkt über eine öffentliche IP-Adresse aufrufbar? Wenn ja: sofort trennen.
  2. Fernwartung bündeln. Alle Zugänge von Kälte-, Elektro- und IT-Dienstleistern über einen zentralen, protokollierten Zugang mit MFA führen – keine Portfreigaben am Router des Marktes.
  3. Standardpasswörter ersetzen. Herstellerkennwörter und gemeinsam genutzte Servicekonten sind bei Anlagentechnik bis heute verbreitet.
  4. Alarmierung testen. Eine Temperaturwarnung, die nachts niemanden erreicht, nützt nichts. Unabhängige Sensoren mit SMS- oder App-Alarm begrenzen den Schaden.
  5. Altgeräte identifizieren. Steuerungen ohne Firmware-Updates gehören hinter eine Schutzschicht oder ausgetauscht.

Was das für Softwareteams und Anbieter in DACH bedeutet

Die Angriffe zeigen, wie dünn die Grenze zwischen IT-Sicherheit und physischem Schaden geworden ist. Ein paar geänderte Sollwerte reichen, um in einer Nacht Waren im Wert von Zehntausenden Euro zu vernichten. Für Hersteller und Integratoren vernetzter Geräte bedeutet das: Sichere Voreinstellungen, erzwungene Passwortwechsel, signierte Updates und ein Fernzugang ohne offene Ports sind keine Kür mehr. Mit dem Cyber Resilience Act der EU werden genau diese Eigenschaften für neue Produkte mit digitalen Elementen ohnehin Pflicht; wer Embedded- und Firmware-Entwicklung betreibt, sollte sie jetzt einplanen.

Für größere Händler kommt die regulatorische Seite hinzu. Lebensmittelvertrieb gehört zu den Sektoren, die unter NIS-2 fallen können, je nach Unternehmensgröße mit Registrierungs-, Melde- und Risikomanagementpflichten – mehr dazu in unserem Beitrag zur NIS-2-Registrierungspflicht. Ob ein Unternehmen betroffen ist, sollte es im Einzelfall prüfen lassen; die Kühltechnik in der Filiale gehört in jedem Fall in das Risikoinventar.

Was noch offen ist

Unklar ist, wer hinter der Angriffswelle steckt und wie die Täter in den deutschen Fällen genau Zugriff bekamen. Ebenso offen ist, wie viele Märkte in Deutschland tatsächlich betroffen sind: Bekannt werden bislang vor allem Fälle, die Betreiber selbst öffentlich machen. Weitere Angaben dürften von den Ermittlungsbehörden und dem BSI kommen.

Häufige Fragen

Welche Supermärkte in Deutschland sind betroffen?

Öffentlich bekannt sind unter anderem ein Edeka-Markt in Reisbach (Landkreis Dingolfing-Landau), ein Rewe-Markt in Raesfeld im Münsterland, Märkte in Wuppertal und Wetter an der Ruhr sowie ein Supermarkt in Lilienthal bei Bremen. Die Liste ist nicht abschließend, weitere Fälle sind möglich.

Wie sind die Angreifer vorgegangen?

Sie haben die Steuerungen der Kühlanlagen aus der Ferne umgestellt und die Temperatur in den Kühlmöbeln auf bis zu 50 °C hochgefahren. Die Ware wurde dadurch unbrauchbar. Wie genau die Täter Zugriff bekamen, ist für die deutschen Fälle noch nicht veröffentlicht. Bei den Angriffen in Frankreich im Oktober waren vor allem ältere, direkt aus dem Internet erreichbare Steuerungen betroffen.

Was empfiehlt das BSI?

Das BSI nennt die Trennung der Anlagen vom Internet als wichtigsten und zugleich einfachsten Schutz. Wo Fernzugriff nötig ist, soll er nur über ein VPN mit Mehr-Faktor-Authentisierung erfolgen. Steuerungen sollen nach dem Stand der Technik abgesichert sein.

Betrifft das nur Supermärkte?

Nein. Dasselbe Muster gilt für jede vernetzte Gebäude- und Anlagentechnik: Kühlhäuser, Apotheken, Labore, Gastronomie, Lager und Produktion. Überall dort, wo eine Steuerung ohne Schutzschicht aus dem Internet erreichbar ist, kann ein Angreifer physischen Schaden anrichten.

Quellen

heise online — Cyberangriffe auf Kühlschränke: Erste deutsche Fälle in Bayern und NRW (3. November 2026)
ZDFheute — Kühlanlagen gehackt: auch Supermarkt in NRW muss Lebensmittel entsorgen (3. November 2026)
t-online — Hackerangriff auf Supermärkte: Filialen von Edeka und Rewe betroffen (3. November 2026)