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Leuchtende Europakarte aus Leiterbahnen auf einem dunklen Tisch, Datenkabel führen zu Serverschränken im Hintergrund

Die kurze Antwort

Deutschland erreicht im neuen Digital Dependence Index (DDI) einen Wert von 0,73 und liegt damit weltweit auf Rang 25 von 51 Ländern, gleichauf mit Österreich und Thailand. Der Index wurde am 28. Oktober 2026 vom Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) der Universität Bonn und dem Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation vorgestellt. Er misst auf einer Skala von 0 (völlig unabhängig) bis 1 (völlig abhängig), wie stark ein Land bei Hardware, IT-Dienstleistungen, Plattformen und Patenten auf das Ausland angewiesen ist.

Die Schwachstelle liegt nicht bei Programmierleistung, sondern bei Plattformen: Hier ist Europa mit 0,98 fast vollständig abhängig, während es bei IT-Dienstleistungen mit 0,42 vergleichsweise gut dasteht. Für Unternehmen heißt das: Eigene Software lässt sich in Europa bauen, die Frage ist, auf welchem Fundament. Portable Architekturen über Cloud- und DevOps-Engineering und Entwicklungskapazität mit europäischem Vertragsrahmen, etwa über Nearshore-Softwareentwicklung, setzen genau an dieser Lücke an.

Was misst der Digital Dependence Index?

Der DDI verdichtet vier Dimensionen zu einem Wert: den Handel mit Informations- und Kommunikationstechnik (IKT-Güter), den Handel mit IKT-Dienstleistungen, die Nutzung digitaler Plattformen und den Bestand an IKT-Patenten. Werte über 0,5 zeigen eine überwiegende Abhängigkeit vom Ausland, Werte darunter eine eher autonome Position. Für die aktuelle Ausgabe haben die Forschenden 51 Länder über 14 Jahre ausgewertet, das Projekt lief ein Jahr in Kooperation zwischen der Bonner Universität und dem Vodafone Institut.

Die Methode erklärt, warum Europa trotz starker Industrie schlecht abschneidet: Wer seine Hardware zwar zum Teil selbst fertigt und viele IT-Dienstleister hat, die Software aber auf Betriebssystemen, Suchmaschinen und Clouds aus Drittstaaten betreibt, bleibt im Kern abhängig.

Wie schneiden Europa, Deutschland, USA und China ab?

Region / LandDDI-WertVeränderung seit 2010
USA0,38−6,0 Punkte
China0,43−10,8 Punkte
Europa (Durchschnitt)0,69+0,5 Punkte
Deutschland (Rang 25)0,73+2,4 Punkte
Österreich (Rang 25)0,73k. A.

Die USA bleiben damit weltweit führend, China hat am stärksten aufgeholt. Europa dagegen hat sich in 14 Jahren nicht vom Fleck bewegt, Deutschland ist sogar etwas abhängiger geworden. Die Studie beschreibt Europa als eingeklemmt zwischen den beiden digitalen Großmächten.

Warum sind Plattformen das Kernproblem?

Die Aufschlüsselung nach Dimensionen zeigt ein deutliches Gefälle innerhalb Europas:

  • IT-Dienstleistungen: 0,42 – hier ist Europa eher autonom.
  • Hardware: 0,59 – moderat abhängig.
  • Plattformen: 0,98 – Betriebssysteme, Suchmaschinen, Cloud-Dienste kommen fast vollständig von außereuropäischen Anbietern.
  • Patente: 0,99 – im europäischen Schnitt nahezu vollständige Abhängigkeit.

Für Deutschland ist das Bild gespalten: Unter allen untersuchten europäischen Staaten weist die deutsche Wirtschaft die geringste Abhängigkeit bei IKT-Patenten auf, bei Plattformen ist sie laut Studie dagegen praktisch vollständig auf ausländische Anbieter angewiesen. Die Debatte um souveräne Clouds, zuletzt etwa bei den Plänen der Nachrichtendienste für eine Google-basierte Cloud, ist damit kein Randthema, sondern trifft die größte gemessene Lücke.

Was hat Irland mit der Statistik zu tun?

Auf den ersten Blick schneidet Irland im Index gut ab. Die Forschenden halten das für eine statistische Verzerrung: Große US-Technologiekonzerne haben dort aus steuerlichen Gründen ihre Europazentralen, ihre Umsätze laufen über irische Gesellschaften. Rechnet man diesen Effekt heraus, zeigt sich laut Studie für 2022 bis 2024 ein Defizit im Handel mit digitalen Dienstleistungen von mehr als 350 Milliarden Euro. Der scheinbare europäische Überschuss existiert also vor allem auf dem Papier.

Was empfehlen die Forschenden?

Als Hauptproblem sehen die Autorinnen und Autoren fehlende strategische Prioritäten beim Aufbau digitaler Fähigkeiten. Digitale Souveränität bedeute dabei nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit: eigene Stärken ausbauen, Abhängigkeiten bewusst steuern und Partner unabhängig auswählen können. Das passt zu dem, was auch Unternehmen selbst berichten, etwa in der jüngsten Bitkom-Umfrage zu Digitalimporten.

Was bedeutet das für IT- und Softwareprojekte?

Ein Unternehmen kann keine europäische Suchmaschine bauen. Es kann aber entscheiden, wie fest seine eigenen Anwendungen an eine einzelne Plattform gebunden sind:

  1. Plattformschicht sichtbar machen. Für jede geschäftskritische Anwendung festhalten, auf welchem Betriebssystem, welcher Cloud und welchen Managed Services sie läuft, mit Rechtsordnung und Vertragslaufzeit.
  2. Austauschbarkeit einplanen. Container, Infrastructure as Code und offene Schnittstellen machen den Wechsel zu einem europäischen oder hybriden Betrieb zu einem planbaren Projekt.
  3. Bei Dienstleistungen auf die Stärke setzen. Europa ist bei IT-Dienstleistungen am wenigsten abhängig. Individuelle Softwareentwicklung mit europäischem Vertragsrahmen hält Quellcode und Know-how im eigenen Einflussbereich.
  4. SaaS bewusst auswählen. Beim Einkauf oder bei der Entwicklung eigener SaaS-Produkte Datenexport, Hosting-Optionen und Exit-Klauseln von Anfang an mitdenken.

Häufige Fragen

Was misst der Digital Dependence Index?

Der Digital Dependence Index (DDI) von CASSIS an der Universität Bonn und dem Vodafone Institut bewertet die digitale Abhängigkeit von 51 Industrie- und Schwellenländern auf einer Skala von 0 (völlig unabhängig) bis 1 (völlig abhängig). Er kombiniert vier Dimensionen: Handel mit IKT-Gütern, Handel mit IKT-Dienstleistungen, digitale Plattformen und IKT-Patente, für den Zeitraum 2010 bis 2023.

Wo steht Deutschland im Digital Dependence Index?

Deutschland erreicht einen DDI-Wert von 0,73 und liegt damit weltweit auf Rang 25, gleichauf mit Österreich und Thailand. Seit 2010 ist der deutsche Wert um 2,4 Punkte gestiegen. Bei IKT-Patenten ist Deutschland unter den untersuchten europäischen Staaten am wenigsten abhängig, bei Plattformen dagegen praktisch vollständig.

In welchen Bereichen ist Europa am stärksten abhängig?

Bei digitalen Plattformen wie Betriebssystemen, Suchmaschinen und Cloud-Diensten erreicht Europa einen Wert von 0,98, bei Patenten 0,99. Deutlich besser schneidet Europa bei IT-Dienstleistungen (0,42) und Hardware (0,59) ab.

Wie haben sich USA und China entwickelt?

Die USA haben ihren Wert seit 2010 um 6,0 Punkte auf 0,38 gesenkt und bleiben weltweit führend. China hat seine Abhängigkeit um 10,8 Punkte auf 0,43 reduziert. Europa liegt im Schnitt bei 0,69, ein leichter Anstieg um 0,5 Punkte.

Quellen

heise online (dpa) — Studie: Europas digitale Abhängigkeit wächst (28. Oktober 2026)
t3n — Studie zeigt: Europa ist heute abhängiger von ausländischer Digitaltechnik als vor 10 Jahren (28. Oktober 2026)
CIO.de — Studie: Europas digitale Abhängigkeit wächst (28. Oktober 2026)
CASSIS, Universität Bonn — Digital Dependence Index (Projektseite)