Die kurze Antwort
Ohne digitale Importe aus dem Ausland könnten deutsche Unternehmen im Durchschnitt 16 Monate weiterarbeiten, zwei Monate länger als im Vorjahr. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research unter 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, die der Digitalverband am 19. Oktober 2026 veröffentlicht hat. 96 Prozent der Firmen beziehen digitale Technologien oder Dienste aus dem Ausland, jeweils knapp neun von zehn sehen sich von China und von den USA abhängig.
Für IT-Verantwortliche ist die Botschaft weniger die Zahl 16 als die Richtung: Abhängigkeit lässt sich nicht kurzfristig abbauen, wohl aber planbar machen. Dazu gehören austauschbare Cloud-Architekturen, etwa über Cloud- und DevOps-Engineering mit Exit-Strategie, und Entwicklungskapazität, die vertraglich und rechtlich in Europa verankert ist, zum Beispiel über Nearshore-Softwareentwicklung.
Was genau importieren Unternehmen?
Die Abhängigkeit beginnt beim Endgerät und reicht bis zur KI-Anwendung. Laut Bitkom importieren Unternehmen am häufigsten diese digitalen Güter und Dienste:
| Kategorie | Anteil der Unternehmen, die importieren |
|---|---|
| Endgeräte wie Smartphones und Notebooks | 94 % |
| Hardware-Komponenten wie Chips und Halbleiter | 79 % |
| Cloud-Dienste | 73 % |
| Software | 68 % |
| Cybersicherheitsanwendungen | 62 % |
| Künstliche Intelligenz | 56 % |
94 Prozent der Befragten halten Deutschland insgesamt für abhängig von digitalen Importen, 44 Prozent davon für stark abhängig. Zwei Drittel erwarten, dass diese Abhängigkeit in den nächsten fünf Jahren weiter zunimmt. Die WirtschaftsWoche hebt hervor, dass viele Unternehmen zwar wissen, wie schwer sich Lieferanten ersetzen ließen, bei der Auswahl aber weiterhin vor allem auf Preis und technische Kompetenz schauen.
Warum wächst die Sorge vor den USA so stark?
Lange galt China als das eigentliche Risiko in der digitalen Lieferkette. Das sehen Unternehmen auch weiterhin so: 79 Prozent sorgen sich wegen der Abhängigkeit von China, nach 69 Prozent im Jahr 2024. Deutlich schneller ist aber die Sorge mit Blick auf die USA gestiegen, von 38 auf 73 Prozent in zwei Jahren. Gerade Cloud, Software und KI stammen für viele Firmen überwiegend von US-Anbietern, und genau diese Kategorien sitzen im Kern der täglichen Geschäftsprozesse.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst formuliert es so: „Wenn digitale Importe aus wichtigen Herkunftsländern ausfallen, trifft das nicht nur die IT-Abteilung, es trifft das Kerngeschäft.“ Die Debatte um souveräne Cloud-Angebote und Vergaberegeln, die wir zuletzt etwa beim Thema digitale Souveränität in der IT-Vergabe beschrieben haben, bekommt damit eine breite Basis in der Wirtschaft selbst.
Was passiert, wenn Importe ausfallen?
Die Befragten erwarten Folgen weit über die IT hinaus. 93 Prozent rechnen mit Auswirkungen auf Produktion oder Leistungserbringung, 91 Prozent auf Vertrieb und 87 Prozent auf Logistik und Lieferketten. Laut WirtschaftsWoche stünde mehr als die Hälfte der Unternehmen bei einem Technologie-Embargo bereits nach wenigen Monaten vor existenziellen Problemen. Die durchschnittlichen 16 Monate sind also ein Mittelwert, hinter dem sich viele Firmen mit deutlich kürzerem Atem verbergen.
Für Software-Abhängigkeiten gilt dabei eine Besonderheit: Anders als bei Chips reicht oft schon eine Änderung von Lizenzbedingungen, Preisen oder Exportregeln, damit ein Dienst faktisch nicht mehr nutzbar ist. Ein Lager lässt sich für Cloud-Dienste nicht anlegen.
Was tun Unternehmen bereits?
Untätig ist die Wirtschaft nicht. Nur 3 Prozent der Unternehmen haben laut Bitkom noch gar keine Maßnahmen ergriffen. Die häufigsten Schritte:
- 44 Prozent achten stärker auf deutsche oder europäische Anbieter.
- 41 Prozent bevorraten mehr Komponenten.
- 40 Prozent bereiten alternative Lieferanten vor.
97 Prozent fordern mehr Investitionen in Schlüsseltechnologien. Der Verband selbst nennt fünf Handlungsfelder für die Politik, darunter Investitionen in Halbleiter, KI, Cloud und Rechenzentren, mehr Resilienz und Cybersicherheit sowie diversifizierte Lieferketten und Partnerschaften.
Was bedeutet das für IT- und Softwareprojekte?
Bevorratung hilft bei Notebooks, nicht bei SaaS. Für die Software- und Cloud-Seite sind andere Hebel entscheidend:
- Abhängigkeiten inventarisieren. Welche Geschäftsprozesse hängen an welchem Anbieter, in welcher Rechtsordnung, mit welcher Kündigungsfrist? Ohne diese Liste bleibt jede Souveränitätsstrategie abstrakt.
- Portabilität einbauen. Container, Infrastructure as Code und offene Datenformate machen einen Anbieterwechsel zu einem Projekt statt zu einer Neuentwicklung. Proprietäre Spezialdienste sollten bewusst und dokumentiert eingesetzt werden.
- Exit-Pläne testen. Für kritische Systeme gehört ein durchgespielter Ausstieg dazu, inklusive Datenexport und Wiederanlauf bei einem alternativen Anbieter.
- Quellcode und Know-how sichern. Wer Kernsysteme individuell entwickeln lässt, sollte Quellcode, Dokumentation und Betriebswissen vertraglich bei sich halten, statt sie an eine Plattform zu binden.
Häufige Fragen
Wie lange kämen deutsche Unternehmen ohne Digitalimporte aus?
Laut einer am 19. Oktober 2026 veröffentlichten Bitkom-Umfrage unter 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Durchschnitt 16 Monate. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 14 Monaten.
Welche digitalen Güter importieren deutsche Unternehmen am häufigsten?
96 Prozent der Unternehmen importieren digitale Technologien oder Dienste. Am häufigsten sind Endgeräte wie Smartphones und Notebooks (94 Prozent), gefolgt von Chips und Hardware-Komponenten (79 Prozent), Cloud-Diensten (73 Prozent), Software (68 Prozent), Cybersicherheitsanwendungen (62 Prozent) und KI (56 Prozent).
Wie hat sich die Sorge vor Abhängigkeit von den USA entwickelt?
Der Anteil der Unternehmen, die sich wegen digitaler Abhängigkeit von den USA sorgen, ist laut Bitkom innerhalb von zwei Jahren von 38 auf 73 Prozent gestiegen. Bei China stieg er im selben Zeitraum von 69 auf 79 Prozent.
Was tun Unternehmen gegen die Abhängigkeit?
44 Prozent achten stärker auf deutsche oder europäische Anbieter, 41 Prozent bevorraten mehr Komponenten und 40 Prozent bereiten alternative Lieferanten vor. Nur 3 Prozent haben gar keine Maßnahmen ergriffen.
Quellen
Bitkom — 16 Monate könnten Deutschlands Unternehmen ohne Digitalimporte überleben (19. Oktober 2026)
WirtschaftsWoche — Studie: Technologische Abhängigkeit Deutschlands verschärft sich (19. Oktober 2026)
heise online — Umfrage: Deutschlands Unternehmen würden 16 Monate ohne Digitalimporte überleben (20. Oktober 2026)