Yury Pukhov, YuSMP Group
Yury Pukhov CEO & Mobile Engineering Lead, YuSMP Group · Begleitet Unternehmen in der DACH-Region und den USA bei IT-Strategie, Modernisierung und dem produktiven Einsatz von KI
Digitales Dashboard in einem Vorstandsbüro mit steigenden Budget-Balken, einem Cybersecurity-Schild sowie Cloud- und KI-Symbolen — Sinnbild für die IT-Investitionsprioritäten deutscher Unternehmen 2026

Die kurze Antwort

Deutsche CIOs erhöhen 2026 ihre Budgets, priorisieren aber vor allem Sicherheit, Modernisierung und den produktiven KI-Einsatz — während steigende Lizenz- und Token-Kosten den realen Spielraum begrenzen. Laut der Anfang August 2026 vorgelegten Lünendonk-Studie „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“ erhöhen 55 Prozent der Unternehmen 2026 ihr IT-Budget, 16 Prozent sogar um mehr als 10 Prozent.

Die wichtigsten Investitionsschwerpunkte für 2026 und 2027: Cyber Security (92 Prozent), IT-Modernisierung (74 Prozent), das Enablement der Mitarbeiter (70 Prozent), digitale Souveränität und Systemintegration (je 69 Prozent), Data & Analytics (66 Prozent) und Künstliche Intelligenz (64 Prozent). Für Software-Teams heißt das: Die Nachfrage nach Modernisierungs-, Sicherheits- und KI-Kompetenz steigt — und Kostenkontrolle wird zum eigenen Planungsthema.

Was die Studie zeigt

Für die Studie „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“ hat das Marktforschungs- und Beratungshaus Lünendonk & Hossenfelder über 100 IT-Dienstleister und mehr als 200 IT-Verantwortliche aus dem gehobenen Mittelstand sowie aus Großunternehmen und Konzernen befragt. Sie gilt als eine der etablierten Referenzen für die Investitionsstimmung deutscher IT-Abteilungen — und zeichnet für 2026 das Bild einer Branche, die trotz schwacher Konjunktur weiter investiert, aber sehr gezielt.

Das auffälligste Ergebnis ist die Rangfolge der Prioritäten. An der Spitze steht mit 92 Prozent die Cyber Security, getrieben durch regulatorische Anforderungen und neuartige, KI-gestützte Angriffsmethoden. Es folgen die IT-Modernisierung mit 74 Prozent, das Enablement der Mitarbeiter im Umgang mit neuen Technologien mit 70 Prozent sowie digitale Souveränität und Systemintegration mit je 69 Prozent. Data & Analytics (66 Prozent) und Künstliche Intelligenz (64 Prozent) runden das Feld ab. Wer geschäftskritische Altsysteme modernisiert, trifft damit auf die zweitwichtigste Budgetlinie des Jahres — kein Nischenthema, sondern Mainstream.

Warum das Budget-Plus täuscht

Auf den ersten Blick klingt „55 Prozent erhöhen das Budget“ nach Aufbruch. Die Studie liefert aber gleich die Einschränkung mit: Steigende Software-Lizenzgebühren, Token-Kosten für KI-Modelle und verbrauchsabhängige Abrechnungsmodelle beanspruchen einen wachsenden Teil des Zuwachses. Der real für neue Vorhaben verfügbare Spielraum wächst deshalb langsamer als das Budget selbst — teils sogar gar nicht, wenn ein Großteil in laufende Lizenzen und Cloud-Verbrauch fließt.

Für die Planung ist das ein wichtiger Perspektivwechsel: Nicht die Höhe des Budgets entscheidet, sondern wie viel davon nach Abzug der Betriebskosten für Wertschöpfung übrig bleibt. Genau hier zahlt Modernisierung doppelt ein. Ein sauber umgebautes System verursacht weniger Wartungs-, Lizenz- und Infrastrukturkosten — und setzt damit Mittel frei, die sonst dauerhaft im Betrieb gebunden wären. Modernisierung ist in dieser Logik kein Kostenblock, sondern der Hebel, der die anderen Prioritäten überhaupt finanzierbar macht.

KI: von der Pilotphase in den Regelbetrieb

Der zweite rote Faden der Studie ist die KI. Sie durchdringt nach Einschätzung der Befragten inzwischen alle Bereiche der Unternehmens-IT und ist von einzelnen Pilotprojekten in den Regelbetrieb übergegangen. Die größten Effizienzpotenziale erwarten die IT-Entscheider in der Softwareentwicklung (83 Prozent), in der Cyber Security (80 Prozent), im IT-Support (rund 70 Prozent) und in der Anwendungsmodernisierung (52 Prozent).

Bemerkenswert ist die Verzahnung mit den übrigen Prioritäten: KI ist zugleich Treiber der Sicherheitsausgaben — weil Angreifer sie nutzen — und Werkzeug der Modernisierung, etwa beim Verstehen und Ablösen von Altcode. Wer KI nur als isoliertes Innovationsprojekt behandelt, verpasst diesen Zusammenhang. Der belastbare Weg führt über eine saubere Datengrundlage und klare Kostenmodelle; die produktive Einbindung von Modellen in bestehende Prozesse ist die eigentliche Ingenieurarbeit — und das Feld, auf dem unser Team für KI, ML und Daten arbeitet.

Was das für DACH-Teams bedeutet

Für Software-Verantwortliche in Deutschland, Österreich und der Schweiz übersetzt sich die Studie in eine nüchterne Planungsaufgabe. Die Nachfrage nach Modernisierungs-, Sicherheits- und KI-Kompetenz steigt gleichzeitig — und trifft auf einen angespannten Fachkräftemarkt. Wer die drei Themen getrennt beauftragt, zahlt Reibungsverluste an den Schnittstellen; wer sie gemeinsam plant, spart doppelt.

Praktisch heißt das, Modernisierung und Betrieb zusammenzudenken. Ein sauber geplanter Transformationsfahrplan trennt, was abgelöst, was neu gebaut und was integriert werden muss — und verankert Kostenmodelle und Sicherheit als feste Größen, nicht als spätere Ergänzung. Und weil kaum ein Vorhaben allein an fehlenden Ideen scheitert, sondern an fehlender Kapazität, ist die frühe Klärung, was das eigene Team leistet und wo externe Entwicklung Spitzen abfedert, oft die wichtigste Entscheidung des Jahres.

Was Sie jetzt tun sollten

Die Studie ist ein guter Anlass, die eigene IT-Roadmap gegen die Marktprioritäten zu spiegeln. Eine praktische Reihenfolge:

  1. Verteidigen Sie den Budget-Zuwachs. Machen Sie transparent, wie viel des Plus in Lizenzen, Token- und Cloud-Verbrauch fließt — und wie viel real für neue Vorhaben bleibt.
  2. Priorisieren Sie Modernisierung als Kostenhebel. Identifizieren Sie die Altsysteme, deren Umbau am stärksten Betriebskosten senkt und KI- wie Integrationsvorhaben entsperrt.
  3. Bauen Sie Sicherheit in den Entwurf. Behandeln Sie NIS2, DORA und den EU AI Act als Vorgaben ab der Architektur, nicht als nachträglichen Aufsatz — bei geschäftskritischer Individualentwicklung spart das später am meisten.
  4. Geben Sie KI ein Kostenmodell. Legen Sie vor dem Rollout fest, wie Token- und Inferenzkosten gemessen, begrenzt und den Ergebnissen zugeordnet werden — sonst frisst der Betrieb den Nutzen.
  5. Planen Sie Kompetenz und Kapazität. Klären Sie früh, was das eigene Team leistet und wo erfahrene Nearshore-Verstärkung Modernisierungs- und KI-Spitzen abfedert.

Nichts davon ist eine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt oder Lizenzmodell, und der richtige Weg hängt von Ihren Prozessen, Ihrem Altbestand und Ihrer Branche ab. Das Signal aus der Studie ist aber eindeutig: 2026 ist kein Jahr der großen Neubauten, sondern der klugen Priorisierung. Im Vorteil sind die Teams, die Sicherheit, Modernisierung und KI gemeinsam planen — und jeden Budget-Euro gegen die eigenen Betriebskosten verteidigen.

Häufig gestellte Fragen

Was zeigt die Lünendonk-Studie 2026 zum IT-Dienstleistungsmarkt?

Die Studie „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“ von Lünendonk & Hossenfelder wurde Anfang August 2026 vorgelegt. Befragt wurden über 100 IT-Dienstleister und mehr als 200 IT-Verantwortliche aus dem gehobenen Mittelstand sowie aus Großunternehmen und Konzernen. Kernergebnis: 55 Prozent der Unternehmen erhöhen 2026 ihr IT-Budget, 16 Prozent sogar um mehr als 10 Prozent — zugleich schmälern steigende Lizenz- und Token-Kosten den Spielraum.

In welche Bereiche investieren deutsche CIOs 2026 und 2027?

Die wichtigsten Investitionsschwerpunkte sind laut Lünendonk: Cyber Security (92 Prozent), IT-Modernisierung (74 Prozent), das Enablement der Mitarbeiter (70 Prozent), digitale Souveränität und Systemintegration (je 69 Prozent), Data & Analytics (66 Prozent) sowie Künstliche Intelligenz (64 Prozent).

Warum stehen IT-Budgets trotz Wachstum unter Druck?

Obwohl mehr als die Hälfte der Unternehmen ihr IT-Budget erhöht, verbrauchen steigende Software-Lizenzgebühren, Token-Kosten für KI-Modelle und verbrauchsabhängige Abrechnungsmodelle einen wachsenden Teil des Zuwachses. Der real verfügbare Spielraum für neue Projekte wächst deshalb langsamer als das Budget selbst.

Welche Rolle spielt KI in der IT-Planung deutscher Unternehmen?

KI ist laut Studie aus der Pilotphase in den Regelbetrieb übergegangen und durchdringt alle Bereiche der Unternehmens-IT. Die größten Effizienzpotenziale erwarten die Befragten in der Softwareentwicklung (83 Prozent), in der Cyber Security (80 Prozent), im IT-Support (rund 70 Prozent) und in der Anwendungsmodernisierung (52 Prozent).

Was sollten Software-Teams jetzt konkret tun?

Modernisierung, Sicherheit und KI zusammen planen statt in getrennten Töpfen: Altsysteme so umbauen, dass sie Betriebskosten senken, Sicherheit ab der Architektur einbauen (auch mit Blick auf NIS2, DORA und den EU AI Act), KI-Vorhaben mit klaren Kostenmodellen versehen und knappe Kompetenz über Nearshore-Kapazität abfedern.

Quellen

Lünendonk & Hossenfelder — Steigende Anforderungen und knappe Budgets: CIOs stehen unter wachsendem Druck (Anfang August 2026)
heise online — CIOs investieren vor allem in Sicherheit und IT-Modernisierung, 5. August 2026
IT-Finanzmagazin — Lünendonk-Studie: IT-Budgets wachsen, doch neue KI-Kosten schmälern den Spielraum